Leerzeichen korrekt setzen
Auf den ersten Blick wirkt das Leerzeichen harmlos. Doch auch beim Setzen von Wortzwischenräumen kann einiges schiefgehen.
Ich zeige dir häufigsten Fehler in Kürze, damit du diese in deiner wissenschaftlichen Arbeit vermeidest.
1. Fehlerquelle: Kein Leerzeichen zwischen Zahl und Einheit
Zwischen Zahl und Einheit wird ein Leerzeichen gesetzt. Das gilt auch bei Prozentangaben, Abkürzungen für Währungen und beim Paragrafenzeichen.
- 5 kN
- 23 °C
- 20 %
- 85 €
- § 307 BGB
Die Ausnahme sind Winkelangaben. Hier steht das Gradzeichen direkt an der Zahl:
- ein Winkel von 22,5°
- ein 90°-Winkel
- α = 10°
Prozent und -prozentig
Der häufigste Fehler, sowohl in Bachelorarbeiten als auch in Dissertationen, ist der fehlende Zwischenraum vor dem Prozentzeichen. Wenn du dir aber überlegst, dass du beim Ausschreiben doch auch ein Leerzeichen zwischen Zahl und Prozent setzt, also ‘100 Prozent’ schreibst statt ‘100Prozent’, leuchtet die Regel ein. 100 %.
Aus dem Wort Prozent können Adjektive gebildet werden. In Verbindung mit einer Zahl entsteht dann beispielsweise das Adjektiv ‘hundertprozentig’. Das ist aber ein anderer Fall. In Ziffern heißt es hier korrekt entweder 100%ig oder 100-prozentig.
- konzentrierte 69%ige Salpetersäure
- mit 0,2 ml 0,9-prozentiger Kochsalzlösung
2. Fehlerquelle: Verwendung mit Schrägstrich
Der Schrägstrich fasst Wörter, Abkürzungen oder Zahlen zusammen. Laut DIN 5008 steht vor und nach dem Schrägstrich kein Leerzeichen.
Werden jedoch Wortgruppen zusammengefasst, empfehlen sowohl DIN 5008 als auch Duden ein Leerzeichen, um Missverständnissen vorzubeugen. In dem Fall müssen aber auf beiden Seiten des Schrägstrichs Leerzeichen gesetzt werden. Steht dort lediglich ein Zwischenraum, ist das ein Fehler.
- und/oder
- Mai/Juni
- Ende Mai / Anfang Juni
3. Fehlerquelle: Verwendung mit Langstrich (–)
Der Langstrich wird in wissenschaftlichen Arbeiten beispielsweise genutzt, um einen Einschub zu kennzeichnen. Besser bekannt ist er dann unter dem Namen ‘Gedankenstrich’. Vor und nach einem Gedankenstrich – in der Typografie heißt er Halbgeviertstrich – steht ein Leerzeichen.
Bis-Strich
Der Langstrich „–“ hat jedoch noch weitere Funktionen. Beispielsweise dient er als Bis-Strich, um Zahlenbereiche oder andere Intervalle zu kennzeichnen. In dem Fall wird er ohne Leerzeichen verwendet.
- 8–10 cm
- Carl Friedrich Gauß (1777–1855)
- 10:30–11:00 Uhr
- Unterpunkte A–K
- Frakturpatienten, Alter 23–51 Jahre
Minuszeichen
Der Langstrich fungiert zudem als Minuszeichen. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden.
Vor und nach den mathematischen Operatoren der Grundrechenarten steht ein Leerzeichen. Das gilt auch für das Minuszeichen als Rechenzeichen.
Beispiel:
45 – 5 = 40
Z = jXL – jXC
Wird das Minuszeichen hingegen als Vorzeichen verwendet, um einen negativen Ausdruck zu beschreiben, darf kein Leerzeichen stehen.
Beispiel:
–5 °C
–ax + 2y
In Tabellenkalkulationssoftware ist der Halbgeviertstrich als mathematischer Operator untauglich. Hier sollte ausschließlich das Bindestrich-Minuszeichen (Unicode U+002D) verwendet werden.
4. Fehlerquelle: Verwendung mit Kurzstrich (-)
Vor und nach einem Bindestrich entfallen die Leerzeichen.
Lediglich in dem Fall, dass der Bindestrich als Ergänzungszeichen verwendet wird, muss ein Wortzwischenraum gesetzt werden: nämlich nach dem Bindestrich.
- Ist- und Sollwert
- Ein- und Ausgang
5. Fehlerquelle: Falsche Leerzeichen
Zusammensetzungen werden zusammengeschrieben. In bestimmten Fällen darf ein Bindestrich gesetzt werden.
Leerzeichen sind jedoch falsch.
Besonders häufig findet sich der Fehler in Bachelor- oder Masterarbeiten des Fachgebiets Marketing. Da ist dann vom Marketing Mix, von Total Quality Management oder vom Six Sigma Kernprozess die Rede. Korrekt wäre jedoch: Marketing-Mix, Total-Quality-Management, Six-Sigma-Kernprozess.
Sicher wäre es interessant zu untersuchen, wieso das falsche Leerzeichen um sich greift. Eine mögliche Erklärung ist der Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache, denn im Englischen werden zusammengesetzte Begriffe auseinandergeschrieben.
Eine andere Theorie ist, dass vor allem solche Menschen zu diesem Fehler neigen, die kaum noch gedruckte Texte lesen, sondern nur noch im Internet unterwegs sind. Dort gewöhnen sie sich dann eine Art Suchmaschinen-Deutsch an.
Im Internet werden zahlreiche Texte im Stil von Suchanfragen geschrieben, da die meisten Webmaster noch nicht mitbekommen haben, dass die Algorithmen von Google sehr wohl in der Lage sind, Bindestriche zu erkennen und die Bestandteile der Komposita separat zu werten.
Doppelte Leerzeichen
“So schnell doppelte Leerzeichen eingebaut sind, so mühselig ist es, sie in einer Masterarbeit oder Dissertation aufzuspüren.”
Stimmt nicht.
Die Lösung ist moderne Rechentechnik, oder “Lass doch die dumme Maschine für dich arbeiten”, wie mein Informatik-Prof zu sagen pflegte. Du brauchst dafür aber keine Funktion zu schreiben, wie es mein Prof von mir verlangte, da es das bereits alles in Microsoft Word unter dem Namen “Suchen und ersetzen” gibt. Füge bei “Suchen” einfach hintereinander zwei Leerzeichen ein und lass diese durch ein einzelnes Leerzeichen ersetzen.
Voilà.
Einrücken per Leerzeichen – Sünde!
Warum solltest du keine Leerzeichen nutzen, um deinen Text auszurichten? Weil sich der Text sofort verschiebt, wenn der Rand verändert oder die Schrift vergrößert wird. Sobald Text eingefügt oder gelöscht wird, ist deine schöne ‘Ordnung’ dahin. Die richtigen Werkzeuge zum Formatieren sind Tabulatoren, Einzüge, Textrahmen, Spalten.

6. Fehlerquelle: Leerzeichen bei Abkürzungen
Ein häufiger Fehler sind Schreibweisen wie ‘z.B.’ oder ‘i.d.R.’. Innerhalb von mehrteiligen Abkürzungen wird nach einem Punkt jedoch ein Leerzeichen gesetzt.
- z. B.
- u. a.
- i. d. R.
- d. h.
- i. S. v.
Ausnahmen gibt es natürlich auch. Prominentestes Beispiel:
- usw.
Medizinischer Sonderfall
In medizinischen Doktorarbeiten treffe ich häufig die Schreibweise i.v. für intravenös. Hier gibt es Lektoren, die der Auffassung sind, bei i.v. dürfe kein Leerzeichen stehen, weil es sich um ein zusammenhängendes Wort handelt. Das Argument klingt logisch – es heißt auch intravenös und nicht „intra venös“.
Die Dudenredaktion hat hierzu jedoch eine abweichende Meinung. Demnach wird auch diese Abkürzung in dieser Form geschrieben: i. v.
Da ich die Frage geklärt haben wollte, recherchierte ich zunächst in der medizinischen Fachliteratur. Und was fand ich da? Genau. Beide Varianten: sowohl i. v. als auch i.v.
Daraufhin schrieb ich an die Dudenredaktion und bat um eine amtliche Auskunft. Und ich bekam folgende Antwort:
Das ist in der Tat ein etwas außergewöhnlicher Fall, da der Punkt normalerweise signalisiert, dass ein Wort zu Ende ist. Wir haben daher extra noch mal in einer Auflistung von Abkürzungen aus dem medizinischen Bereich nachgesehen. Doch auch hier ist eindeutig ein Abstand zu erkennen. Somit gilt die Regel, dass innerhalb von Abkürzungen nach einem Punkt ein Leerzeichen gesetzt wird, auch für ‚i. v.‘.
In Doktorarbeiten der Medizin werde ich deshalb die Schreibweise nach Duden empfehlen.
7. Fehlerquelle: Zeilenumbruch (Geschütztes Leerzeichen)
Das Problem tritt beim Zeilenumbruch auf: Die Bestandteile einer Abkürzung oder auch Zahl und Einheit werden durch den Zeilenwechsel auseinandergerissen.
Abhilfe verschafft das geschützte Leerzeichen, auch feststehendes Leerzeichen genannt (Unicode U+00A0). Das setzt du mit folgender Tastenkombination:
Word [Strg] + [Shift] + [Leertaste]
Mac [Alt] + [Leertaste]
Ziffernblock [Alt] + [0160]
Generell empfiehlt es sich, von vornherein in folgenden Fällen ein geschütztes Leerzeichen zu setzen:
- bei mehrteiligen Abkürzungen
- zwischen Zahl und Einheit
- in Formeln
- bei Verweisen auf Gesetze
So bleiben zusammengehörige Bestandteile auch dann zusammen, wenn sich die Formatierung bei späteren Änderungen an der Arbeit verschieben sollte.
Übrigens: Spezialisten nutzen zudem das schmale geschützte Leerzeichen, Unicode U+202F. Es dient beispielsweise als Tausendertrennzeichen, um Zahlen mit mehr als vier Stellen zu gruppieren.


Sie haben Professor mit Prof abgekürzt, also ohne Punkt am Ende. Sollte das nicht sein Prof.?
Mit freundlichem Grüßen
Bernd Dietrich
Hallo Herr Dietrich, herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Die Form ohne Punkt existiert, sie steht mit der stilistischen Zuordnung “Studentensprache” im Duden. (Als Studentensprache war es auch von mir gemeint.)
https://www.duden.de/rechtschreibung/Prof_Professor
https://www.duden.de/rechtschreibung/Prof_Professorin
Wenn das Wort hingegen als Abkürzung verwenden werden soll, gehört – wie Sie schon schrieben – natürlich ein Punkt dahinter.
Viele Grüße, Birgit.
Danke für die sehr anschaulichen Erklärungen. Besonders die Einheit als Wort zu interpretieren ist eine gute Hilfe.
Hallo, vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Ich versuche, herauszufinden, ob vor einem Kleiner-als-Zeichen oder Größer-als-Zeichen in einem (medizinischen) Fließtext ein Leerzeichen gehört oder nicht. Es geht um sowas wie:
Der Patient weist eine Thrombozytenanzahl von > 100.000 auf.
Der Patient weist eine Thrombozytenanzahl von >100.000 auf.
Was ist korrekt? Ein Vergleichszeichen ist ja kein Vorzeichen wie +5, -7 oder ±2. Es handelt sich aber auch nicht um eine Formel oder Rechnung wie “2 + 3 = 4”, wo die Leerzeichen vor und nach den Rechenoperatoren verpflichtend sind.
Ich hoffe sehr, dass Sie hierzu mehr herausfinden können/konnten als ich und bedanke mich schon im Voraus für Ihre Hilfe 🙂
Hallo Loreia, vielen Dank für Ihre Frage.
Nach DIN 5008 werden die Vergleichszeichen wie Verhältniszeichen behandelt und „mit einem Leerzeichen davor und danach“ gesetzt.
Nach DIN 1338 ist ein typografischer Abstand zudem Bestandteil eines „guten Formelsatzes“. Ein Vergleichszeichen ohne Abstand ist deshalb untypisch, weil das Zeichen optisch an der Zahl „klebt“.
Daher: „… von > 100 …“ (mit Abstand zwischen Zeichen und Zahl).
Leerzeichen ist aber nicht Leerzeichen: Es gibt z. B. schmale und „normal“ breite sowie geschützte und umbrechende Leerzeichen. Da DIN 1338 die Breite nicht festlegt, würde ich ein schmales geschütztes Leerzeichen verwenden (Unicode U+202F, narrow no-break space), das wird auch in der Verlagspraxis häufig so gesetzt.
Noch ein Hinweis: Vielstellige Zahlen dürfen in Gruppen zu je drei Ziffern gegliedert werden. Getrennt wird aber durch Abstand, nicht durch Punkt oder Komma. In Ihrem Fall bedeutet das:
Der Patient weist eine Thrombozytenanzahl von > 100 000 auf.
Damit ist es widerspruchsfrei zu DIN 5008/DIN 1338.
Viele Grüße
Birgit